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LANDWIRTSCHAFTLICHES GROßDIORAMA: Bauernhof Zöhrer





Dieses Bauprojekt mit seiner Komplexität stellte für mich eine erfreuliche Herausforderung dar. Eine gewissenhafte Vorausplanung für dieses Vorhaben war unumgänglich.

Da mein Kunde ein landwirtschaftliches Diorama von mir anfertigen lassen wollte, lediglich mit der Vorgabe "Bauerngehöftes mit Feldern und Wiesen, Ausstattungsqualität 1A", hatte ich erfreulichen Freiraum für eigene Gedanken. Ich beschloss, meinen Kunden nicht zu enttäuschen, sondern wirklich etwas Besonderes anzufertigen.

Das Grundmodul besteht nicht, wie sonst üblich, aus einer Tischler- oder noch ungünstiger, einer Spanplatte, sondern aus Gründen der möglichst 100%igen Verwindungsfestigkeit aus einem Gitterraster mit einer Aufbauhöhe von 100mm ( innen 13mm Spanplatte, außen 13mm MDF Platte) Durch diese sehr stabile Konstruktion reicht als Träger für die Landschaften eine leichte Hartfaser- oder Speerholzplatte von wenigen Millimetern völlig aus.Weiter ergibt sich durch die Aufbauhöhe eine saubere Möglichkeit, negative Landverwerfungen realistisch darzustellen.


Modulunterseite


Moduloberseite


Jedes Grundmodul verfügt anschließend über 4 in der Höhe verstellbare Stahlrohrbeine, die zum Transport leicht abnehmbar sind. Im Gegensatz zu reinen Holzbeinen hat das den Vorteil, dass eventuelle Bodenunebenheiten beim Kunden nicht durch untergelegte Bierdeckel o.ä. den Gesamteindruck des Dioramas schmälern.

Als Blickfang und auch zu Stabilitätszwecken wurden bei meinem Auftraggeber beim Aufbau des Dioramas abschließend komplett umlaufende OSB-Platten an den Aluminiumbeinen befestigt.

So wird es nicht nur ein Diorama, sondern man kann es auch als Möbelstück betrachten!


Die Elektrik war ebenfalls ganz besonderen Anforderungen unterlegen, sollte sie doch den weiten Transportweg nach Österreich (über 1000km) unbeschadet überstehen.
Es musste sicher gestellt sein, dass Erschütterungen keine Lötbrüche, Leuchtdioden- oder Glühbirnenschäden hervorrufen.

Daher wurde für jeden elektrischen Verbraucher unter der Moduloberplatte ein Anschlussterminal gebaut, welches mit einer Clinch Steckverbindung versehen wird.
Für den Transport befand sich keinerlei elektrische Leitungsverlegung an den Modulen. Alle notwendigen Verbindungsleitungen (von den Anschlussterminals zum Schalterterminal bzw. zu den Verstärkern) befanden sich beim Transport ordentlich beschriftet in einer separaten Transportbox, um vor Ort mit werkzeugfreien Handgriffen installiert zu werden.




Die Bedienfelder für Elektrik und Beschallung wurden ohne hervor stehende Teile direkt in die Modulfront integriert, passgenau und optisch aufgewertet durch professionell gefräste und beschriftete Aluminium- Frontplatten mit optischen Betriebszustandsanzeigen


Licht & Effekt Schaltpult

Der Landschaftsaufbau dieses Objektes erfolgte mit hochwertigen Materialien. Der Feldweg und das Hofgelände wurde aus Gips angefertigt. Steine und Platten sind von Hand in den Gips eingefräst.Eine Kuhwiese und Sumpfwiese mit einem kleinen Tümpel, an dem Frösche quaken und Grillen zirpen, sowie ein kleiner schmaler Bach sind auf Modul B eingefügt. Des Weiteren ist ein Segelflugzeug bei einer Notlandung in einem Baum gestürzt. Polizei und Krankenwagen sind mit beleuchteten Scheinwerfern, Blaulicht und Tatütata angerückt um dem Piloten zu Hilfe zu eilen.


Ein Bauernhof mit einem fahrenden Trecker... das hat doch was!

So kam ich auf den Gedanken, vom Faller-Car-System einen Traktor vom Hof über eine Feldstraße auf eine Landstraße und wieder über eine Feldstraße zurück auf den Bauernhof fahren zu lassen. Es wurden zwei Stoppstellen bzw. Parkplätze eingebaut.

Der Traktor ist ein selbstgebautes Einzelstück von
www.bau187pkw.de und auch für das Mader-System ausgelegt. So fährt er eine angemessene Geschwindigkeit und schafft auch problemlos die Steigungen.

Einen Videoausschnitt vom Traktor können Sie sich im Ordner Technik ansehen.

Nun noch einige Highlights, die sich auf dem Diorama befinden:Das Windrad wurde mit einer LED ausgestattet und an eine Blitzelektronik angeschlossen. So ist ein naturgetreues Blitzen am Motor des Windrades gegeben. Dass es sich dreht ist selbstverständlich.

Der Kuhstall mit Inneneinrichtung wurde von mir als handgearbeitetes Einzelstück selber angefertigt.

Ein Misthaufen auf dem Bauerhof... natürlich qualmt er. Auch das Lagerfeuer qualmt und ist mit einem Flackerlicht ausgestattet. Die Wagenhalle mit Innenausstattung ist aus zwei Fertigbausätzen zusammengebaut und umgestaltet.

Der Fahrsilo aus Gips wurde selber angefertigt.

Alle Gebäude sind patiniert.

Einige Fertigbäume wurden mit Airbrush behandelt, auch von mir mit Meerschaum angefertigte Bäume sind auf dem Diorama angesiedelt.

Natürlich leuchten die Lampen der Straßenbeleuchtung realitätsnah durch eine Strom führende Freilandleitung.

Da fiktiv auf dem Bauernhof Zöhrer eine große Gartenfeier ansteht, werden Terrasse und Bauerngarten auf Vordermann gebracht. Rasen wird gemäht und ein Pavillon, auch Sitzgelegenheiten aufgebaut. Die Lichterketten für die abendliche Feier sind installiert.

Auf dem Modul C findet im angrenzenden Bergwald die Hubertusjagd statt. Mit einer Kettensäge wird ein Baum gefällt. Dann wird hier das Korn zum persönlichen Gebrauch für Bauer Zöhrer noch von Hand eingebracht.

Es ist eine Miniaturwelt mit vielen Besonderheiten, mit vielen Vorüberlegungen. Das Diorama sollte glaubwürdig sein. Natürlich wirkte die fiktive Nord-Süd-Ausrichtung auf die räumliche Lage z.B. des Bauerngartens bzw. der Wäscheleine einer erfahrenen Bäuerin ein. Und auch die Köpfe der Sonnenblumen sehen natürlich nach Süd.

Viele informative Ausflüge wurden unternommen, um der Natur Details abzugucken. Es stellte sich schnell heraus, dass die Natur ganz besonders durch ihre Vielzahl an Klängen wirkt.

In Zusammenarbeit mit einem Spezialisten wurde für meinen Auftraggeber ein auf das Thema bezogen spezielles Soundsystem mit weit reichenden Anleihen an die Natur entwickelt. So entstand nach reichlich Planungen ein 6-kanaliges Multi-Tracking-Soundsystem basierend auf 3 MP-3-Playern.

Jedes Soundmodul
( drei Stück zu je 2 Kanälen ) besteht aus einem MP3-Player und einem nachgestalteten Verstärker mit Lautsprechern.
Ein Soundmodul beinhaltet eine Speicherkarte von 256MB Kapazität.
Diese Kapazität reicht aus, um auf jedem Soundmodul 8 Tracks mit je ca. 30 Minuten Spieldauer anzubieten.

Es sind folglich 24 Tracks zu 30 Minuten verfügbar, was rechnerisch einer Spieldauer von ca. 12 Stunden entspräche.

Aus einer Bibliothek von 34 unterschiedlichen Geräuschen, die teilweise im Stereomodus vorliegen, sind in unterschiedlicher Kombination und Kanallage vorlagengetreu Kombinationen entworfen worden. Jede einzelne Kombination entspricht einem einzelnen Track


Ausgehend von 3 aktiven Modulen zu je 8 Tracks (Spuren) sind tatsächlich maximal 498 unterschiedliche Kombinationen möglich. Geht man nun davon aus, dass auch Kombinationen erwünscht sind, bei denen eines oder mehrere Module inaktiv sind, dann erhöht sich die Anzahl der Kombinationen beträchtlich.

Da alle MP3-Player im Stand-Alone-Betrieb unsynchronisiert zu starten sind, ist es praktisch unmöglich, zweimal hintereinander exakt die gleiche Tonkombination zu realisieren.
Es kann von daher angenommen werden, dass sich auf Grund der Kombinationsmöglichkeiten und der jeweiligen Startzeitpunkte eine der Unendlichen nähernden Zufallsbeschallung ergibt.
Da sich in der Natur auch maximal unendlich viele zufällige Geräuschkombinationen entwickeln können, ist somit eine höchstmögliche Naturähnlichkeit geschaffen.

In der Soundbibliothek befinden sich u.a.: verschiedene Dieselmotorengeräusche, verschiedenes Hundegebell, Feuerknistern, Frösche (bei Husum in Niedersachsen), verschiedenes Vogelzwitschern, verschiedenste Waldgeräusche, Gewitter, Wind (Filsum in Ostfriesland), Hochsommergeräusche, Hühnergegacker, zur Hubertusjagd wird aufgespielt, Katze mit Jungen, Katzenstreit, Kettensäge, Pferde, Martinshorn, Regen (oft vorkommendes Sommergeräusch in Nienburg), verschiedene Rindstallgeräusche, Schafe, Windradgeräusch, Kirchturmglocke (St.Martins-Kirche zu Nienburg), Kuckuck, Schuss, Storch, etc, etc. 

 Um diese vielfältigen Geräusche in Kombination auf dem Diorama eindrucksvoll darzustellen, wurden insgesamt 8 Lautsprecher unterschiedlicher Schallcharakteristik in die Landschaft unsichtbar integriert. Somit wird mit dem Soundmodul 1 und 2 auf dem Diorama eine Direktbeschallung möglich. Die Rinderstallgeräusche kommen aus dem Rinderstall, das Telefonklingeln aus dem Wohnhaus u.s.w.


Soundschaltpult


Ein eingebautes Sourroundsystem aus dem PC-Zubehör mit dem Soundmodul "Umweltgeräusche", frei installiert unter den Landschaftsmodulen, strahlt ungehindert in den Raum und ergibt einen beispiellosen Raumklang.

Dass die auf diesem Soundsystem eingespielten Geräusche zum großen Teil naturecht aufgenommen wurden, und es sich nicht um digitale Geräusche handelt, rundet das Ganze noch ab.

Eingebaute Lautsprecher auf den Modulen


Eine Hörprobe unserer Soundkulisse finden Sie im Ordner Technik.

Verschiedene Sound CD's finden Sie in unseren Miniaturweltenshop.


Um dieses alles zu verwirklichen, musste ich in meiner Planung schon beim Grundmodulbau auf bestimmte Kriterien achten. (Welche das sind, verrate ich natürlich nicht!)

Und noch viele andere Details sind auf den drei Modulen angesiedelt. Diese sollten jedoch meinen Auftraggeber vorbehalten und somit hier unerwähnt bleiben


Ein gutes Vierteljahr Bauzeit benötigte ich für dieses Projekt. In diesem Zeitraum ist mir diese kleine Welt ans Herz gewachsen, und ich muss sagen... sie lebt!



Mai 2005

 
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